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Perspektive Generationen

Margarete Jäger und Maximilian Högl trennen knapp 70 Jahre. Trotzdem verbindet die zwei Wachauer vieles. Ein Gespräch über das Wesen und die Zukunft der Wachau.

Es ist Sommer und 9 Uhr im Spitzer Graben, der kühlsten Ecke der Wachau. Der Tag von Maximilian Högl hat weit früher begonnen. Um Fünf, als er mit dem Traktor hinauf in die Steillagen gefahren ist. Weingartenarbeit. Gut gelaunt kommt er zum Gespräch mit Margarete Jäger, Schülerin an der Weinbauschule Klosterneuburg. Ihr gefällt die Perspektive, in fernerer Zukunft das Weingut ihrer 
Familie in Weißenkirchen zu übernehmen. Wir reden mit den beiden über die Wachau, die Zukunft und wie wichtig es ist, auf Qualität zu setzen.

I‘m a Wachauer: Was ist typisch Wachau?
 

Margarete Jäger: Für mich ist das Zusammenleben der Generationen hier einzigartig. Wir leben und arbeiten miteinander. Lernen voneinander. In der Wachau ist einfach alles ein bisschen mehr familiär. Ich denke, das spüren auch die Gäste, wenn sie zu uns kommen. 

Maximilian Högl: Auch bei uns arbeiten drei Generationen zusammen. Der Sohn und der Enkel haben den Betrieb ja schon über. Mich findet man im Weingarten. Jeden Tag. Damit die Weingärten so gut 
beinand‘ sind, muss man ständig unterwegs sein und sich kümmern. In unseren Steillagen bedeutet das viel Handarbeit. Wissen Sie, dass ich in zwanzig Prozent unserer Weingärten mit gar keiner Maschine hineinkomme? Die bewirtschaften wir ausschließlich händisch. 

Margarete Jäger: Die Fläche in der Wachau ist begrenzt. Deshalb ist hier alles kleinstrukturiert. Die meisten Betriebe sind Familienbetriebe. Und so entstehen vielfältige, sehr persönliche Weine. Ich glaube wirklich, dass man das schmeckt. Diese persönliche Handschrift. Das ist für mich auch typisch Wachau.

Wachau? Eben das
bisschen Mehr familiär.
Margarete Jäger, 16

Denken wir voraus. Wie sieht die Wachau 2030 aus?
 

Margarete Jäger: Ich denke, der Codex Wachau wird auch in ferner Zukunft unsere Arbeit prägen. Er ist die Grundlage dafür, dass wir so hohe Qualitäten erzeugen können. Weinqualität bleibt Um und Auf. 

Maximilian Högl: Das gilt schon jetzt: Ohne Qualität kann man nicht bestehen. Und man muss immer in Bewegung sein. Ich bin 85 und jeden Tag im Weingarten. Im Winter gehe ich Skifahren ... 

Margarete Jäger: ... genau! Umgelegt auf die Wachau, müssen wir genauso in Bewegung sein. Uns den Veränderungen anpassen. Der Klimawandel beschäftigt mich sehr. Nach der Schule möchte ich Eindrücke im Süden sammeln: Südafrika, Australien. Mich interessiert, wie Winzerinnen und Winzer in warmen Ländern arbeiten. Denn auch das Klima in der Wachau ändert sich. 

Große Anstrengung, großes Ergebnis: Handarbeit ist einer der wichtigsten Faktoren für die besonderen Qualitäten in der Wachau, finden die beiden.

Man lernt nie aus.
Maximilian Högl, 85

Maximilian Högl: Das merke ich auch im Weingarten. Manche Reben halten die Hitze gar nicht gut aus. Sehen Sie, der Riesling da hat einen Sonnenbrand. Obwohl er durch Laubarbeit früh an die Sonne gewöhnt wurde. Tja, man lernt eben nie aus. Ein wichtiger Faktor in Zukunft ist die Trockenheit – damit wären wir bei der Bewässerung. An der führt in der Wachau in Zukunft nichts vorbei.

Margarete Jäger: Das sehe ich auch so. Plus wir müssen uns Gedanken machen, wie wir unsere Ressourcen bestmöglich nützen. Das ist für mich nachhaltig. Zum Beispiel in den Weingarten nicht öfter als unbedingt nötig mit dem Traktor zu fahren. Das tut auch dem Boden und damit der Weinqualität gut ...

... Nachhaltigkeit und Qualität gehen in der Wachau also Hand in Hand. Ganz natürlich. Vielleicht weil man hier automatisch in Generationen denkt. Danke fürs Gespräch!

Steillage: mit der Hand arbeiten
Perspektive: in Generationen denken

Fotocredits: Rainer Friedl

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