Interview mit Walter Fitz über Boden und Geologie in der Wachau

Seit einigen Jahren ist der Bodenforscher Walter Fitz in den Wachauer Weinbergen unterwegs und versucht mit der Erstellung von Bodenprofilen und breit angelegten Analysen ein besseres Verständnis für die Qualität und die feinen Unterschiede der Boden- und Gesteinsarten zu gewinnen.

Du bist nun schon mehrere Jahre in der Wachau unterwegs und gräbst ein Loch nach dem anderen in den Boden. Eine etwas ungewöhnlicher Weg eine Region zur erkunden. Wie ist es dazu gekommen?

Nach meinem Studium und einiger Zeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der BOKU habe ich begonnen, zumeist zu Unterrichtszwecken, Bodenprofile zu erstellen. Mir war es dabei wichtig, den Boden in den Vordergrund zu stellen und möglichst für sich sprechen zu lassen. Deshalb habe ich mich dazu entschieden, die Profile sehr puristisch zu verwirklichen.

Da ich wusste, dass sich Toni Bodenstein sehr intensiv mit diesem Thema beschäftigt, habe ich ihm meine Arbeit gezeigt. Das hat sich ziemlich schnell herumgesprochen und innerhalb kürzester Zeit hatte ich Aufträge in der gesamten Wachau. Dadurch entstand zunehmend ein Wachau-Schwerpunkt bei meiner Arbeit.

 

Die ausgehobenen Profilgruben zeigen auch immer sehr eindrucksvoll das Wurzelsystem der umliegenden Rebstöcke. Wie kommt der Rebstock mit den steinigen Böden zurecht?

Die Rebstöcke wollen ein stabileres Wachstum, was bei einer meist sehr geringen Bodenauflage nur dadurch erreicht werden kann, dass sich die Wurzeln auch in die Klüfte des Gesteins vorarbeiten. Diese sind meist mit eingewaschenem Feinbodenmaterial ausgefüllt. Entlang dieser Klüfte wurzelt der Wein und holt sich in trockenen Perioden das nötige Wasser und Nährstoffe. Das wird begünstigt durch den Gneis, der als metamorphes Gestein geschichtet ist. Hier setzt die Verwitterung an, bildet Klüfte und ermöglicht eine tiefere Verwurzelung der Reben.

 

Entsprechen die Gesteins- und Bodenarten, die du beim Öffnen einer Profilgrube findest, immer deinen Erwartungen? Gibt es Überraschungen?

Die bestehenden Karten zu Geologie und Boden sind ein sehr guter erster Anhaltspunkt, wo man ein Profil entnimmt. Da diese Karten jedoch nur mit einem relativ großen Maßstab verfügbar sind, gibt es auch immer wieder Abweichungen und Überraschungen.

So zum Beispiel bei den Bodeneigenschaften. Die meisten Gneisböden werden als sauer ausgewiesen, was aber in vielen Fällen nicht stimmt. Außer im Spitzer Graben gibt es fast überall einen gewissen Kalkgehalt, der sich zwar meist im unteren Prozentbereich befindet, aber dennoch dafür sorgt, dass diese Böden zumeist neutral oder schwach alkalisch sind. Das hat natürlich einen Einfluß auf den Wein.

 

Du hast dich durch deine Arbeit mit den Winzern auch selbst immer mehr mit Wein auseinander gesetzt. Kannst du Rückschlüsse ziehen vom Geschmack eines Weines auf den Boden oder das Ausgangsgestein?

Der Bodentyp und das Ausgangsgestein haben auf jeden Fall einen Einfluss auf den Wein. Es spielen natürlich noch andere Faktoren wie das Klima, die Höhenlage und der Erntezeitpunkt eine Rolle.

Ein fruchtbarer Boden, wie zum Beispiel Löss, lässt sich sehr leicht von einem kargen Boden, wie es zumeist die sandigen Gneisböden sind, unterscheiden. Die Weine von einem Gneisverwitterungsboden sind meiner Meinung nach straffer und nicht so opulent.

 

Traust du dir zu, diesen Unterschied blind zu erkosten?

Wenn es um deutlich unterschiedliche Böden geht, ist dies meiner Meinung nach von jedem, der sich mit Wein beschäftigt, erkennbar. Löss-Veltliner und Gneis-Veltliner haben ein unterschiedliches Aromaprofil und ein anderes Mundgefühl. Auch wenn man nicht sogleich weiß, wo der Grund für den Unterschied liegt, so ist er dennoch deutlich spürbar. Besonders leicht ist es natürlich, wenn man dies anhand von Weinen macht, die vom selben Winzer und Jahrgang kommen.

 

Welchen Stellenwert hat die Wachau für jemanden, der sich mit Gestein und Boden so intensiv auseinandersetzt?

Es kann für einen Bodenkundler kaum interessanter sein, da auf kleinstem Raum die unterschiedlichsten Gesteins- und Bodentypen aufeinander treffen. Das ist immer wieder bemerkenswert bei der Arbeit.

 

Welche Riede hat dich bei deiner Arbeit bisher am meisten fasziniert?

Da weiß ich nicht, wo ich ansetzen soll. Die Gneis- und Amphibolitlagen sind allesamt sehr beeindruckend. Aber auch die eiszeitlichen Schotter, die man immer wieder an den Berghängen findet, die Meeressedimente und natürlich der Wachauer Marmor sind für mich sehr reizvoll. Entgegen den allgemeinen Erwartungen kann auch das Südufer mit spannenden Böden und Gesteinsformationen aufwarten, z.B. das Plateau des Kirnbergs, der Kreuzberg und Johannserberg. Der Johannserberg ist ein richtiges Idyll hoch über der Donau, wie es die meisten Besucher der Wachau nur vom Nordufer kennen. Ein wunderschöner Platz, um sich mit Stein und Boden zu beschäftigen.